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 Willkommen bei MobiAssist, dem Mobilisierungs Assistenten für demenziell Erkrankte und deren Angehörige.

Sportwissenschaftler, Ärzte, Pflegepersonal, Software Ingenieure, sowie Verbände der Altenpflege und Diakonie entwickeln Lösungen, um die Lebensqualität der demenziell Erkrankten und deren Familien sowie die Situation der professionell Pflegenden zu verbessern.

 

Situation der Demenzkranken:

Symptomatisch für dementielle Erkrankungen sind nicht nur der Rückgang geistiger, sondern auch körperlicher Leistungen. Dabei nimmt mit zunehmendem Demenzschweregrad die Alltagskompetenz ab und der Umfang des Unterstützungs- sowie Pflegebedarfs nimmt entsprechend zu. Aktivitäten, die die geistigen und körperlichen Leistungen anregen oder trainieren würden, werden reduziert oder gar aufgegeben. Ein Teufelskreis entsteht: Eine Abnahme der Aktivitäten ist verbunden mit einem beschleunigten Rückgang der motorischen Leistungen, was wiederum weitere Einschränkungen in der Alltagskompetenz und Selbstständigkeit nach sich zieht. Der allmählichen Aufgabe gewohnter Alltagsbeschäftigungen folgt schließlich der soziale Rückzug, gefolgt von Isolation und Vereinsamung. Der Erhalt der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeiten nimmt eine Schlüssel­position in der selbstständigen Lebensführung und der subjektiven Lebensqualität im Alter ein. Im folgenden Szenario werden die Innovation und der erwartete Patienten-Nutzen von MobiAssist be­schrieben:

 Fallbeispiel: Helga B.

Helga B, 68 Jahre alt, seit 5 Jahren verwitwet, hatte bis zu ihrer Pensionierung eine verantwortliche Stelle im Bezirksamt inne. Sie ist technisch und kulturell interessiert und geniest den Umgang mit ihrer Familie, besonders mit ihren 5 Enkelkindern, die alle in der Nähe wohnen. Helga B. hat außer leichtem Bluthochdruck, gegen den sie seit 10 Jahren behandelt wird, keinerlei gesundheitliche Einschränkungen und macht gerne lange Spaziergänge. Die ersten Symptome traten bei Helga B. zwei Jahre nach ihrer Pensionierung auf. Immer häufiger verlegte sie Schlüssel, Schuhe und ihr Portmonee, konnte sich an Kleinigkeiten aus Gesprächen und Telefonaten, die sie kurz vorher geführt hatte, nicht erinnern. Im Rahmen einer Routineuntersuchung sprach sie dieses Problem bei Ihrem Hausarzt an. Dieser überwies sie zu einem Neurologen. Nach einer eingehenden Untersuchung wurde eine beginnende Alzheimer Erkrankung diagnostiziert. Trotz der niederschmetternden Diagnose wollte Helga B. alles ihr in der Macht stehende tun, um die Erkrankung so lange wie möglich hinauszuzögern. Der Neurologe riet ihr zu möglichst viel Bewegung und körperlicher Betätigung. Neueste Forschungsergebnisse bestätigen, dass dieses nicht nur einer frühen Pflegebedürftigkeit vorbeugt, sondern das Fortschreiten der Demenz stark verlangsamen kann. Darüber hinaus empfahl er ihr – da sie die Einschlusskriterien erfüllte – am innovativen Forschungsprojekt „MobiAssist“ teilzunehmen. Bei MobiAssist werden in spielerischer Art und Weise mittels einer am Fernseher angeschlossenen bewegungsgesteuerten Spielekonsole von leichter Demenz betroffene Personen zusammen mit deren Angehörigen zu körperlicher Betätigung und Bewegung animiert. Helga B ist jetzt seit sechs Monaten in diesem Projekt. Sie übt regelmäßig mit dem Trainingssystem. Besonders gut gefällt ihr, dass dabei oft ihre Enkelkinder zu ihr kommen und gemeinsam mit ihr an der Konsole spielen. Dabei sind sie manchmal so intensiv beim Spielen, dass sie vergisst, dass sie immer mehr vergisst. Nach einem Jahr kann der Neurologe nur eine minimale Verschlechterung in Bezug auf ihre kognitiven Fähigkeiten feststellen. Helga B.s körperliche Verfassung ist nach wie vor gut, eine Pflegebedürftigkeit scheint noch weit entfernt.

 

Situation der Pflegenden

Ein Großteil der Pflege von dementiell Erkrankten, vor allem bei beginnender Demenz, wird privat, d.h. im jeweiligen häuslichen Umfeld und in vielen Fällen von Familienmitgliedern realisiert (vgl. Statisches Bundesamt 2009). Studien zur häuslichen Pflege Demenzkranker weisen eine deutlich höhere Belastung der Pflegepersonen im Vergleich zu Pflegenden von Nichtdemenzerkrankten nach (Rainer et al., 2002). Die mit der demenziellen Erkrankung ein­hergehenden Verluste von Gedächtnis-, Orientierungs- und Kommunikations­leistungen sowie Persön­lichkeitsveränderungen rufen erhebliche körperliche und psychische Belastungen bei der Pflegeperson hervor. Hinzu kommen oft eine Verschlechterung der finanziellen Lage und der Rückgang sozialer Kontakte. Das zunehmende Ungleichgewicht innerhalb der Beziehung sowie die Veränderung der Rollen- und Funktionsübernahme bedeuten zusätzliche Belastungen. Pflegepersonen können als Risikogruppe für das Auftreten von psychischen, physischen und psychosomatischen Erkrankungen betrachtet werden. Im Vergleich zur alters-entsprechenden Allgemein-Bevölkerung und sogar zu Pflegenden von nicht demenzkranken Personen treten gesundheitliche Beschwerden bei Pflegeper­sonen von Demenzkranken deutlich häufiger auf.

Neben der vollständig privat durchgeführten Pflege von demenzkranken Angehörigen mit den beschriebenen Problematiken entwickelte sich in den letzten Jahren der Zweig der Tagespflege-Angebote. Idealerweise können Demenzkranke hier tagsüber Zeit verbringen mit anregenden Beschäftigungsangeboten, die jedoch angesichts der generell knappen institutionellen Zeitressourcen sowie des hohen individuellen Betreuungsaufwands eine große Herausforderung für eine bedarfsgerechte Umsetzung darstellen. Daher ist auch für die Tagespflege geboten, MTI-Lösungen zu finden, die eine individuelle Betreuung von Demenzerkrankten vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Bedürfnisse und im Hinblick auf eine ganzheitliche (körperliche und emotionale) Aktivierung unterstützt.